Projekt „Unser erster 4000er“  

Tatiana Mitkina und Gabor Balazs vom TSV Bergen Trailrunning nehmen am
Monte Rosa Sky Marathon 2026 teil

(von Dirk Misselhorn) Der Monte Rosa Sky Marathon 2026 war für uns weit mehr als ein Rennen. Seit meiner ersten Begegnung mit Alagna während des Ultra Tour Monte Rosa 2023 faszinierte mich dieses Walserdorf im Sesia-Tal. Als wir entdeckten, dass dort jährlich der legendäre Monte Rosa Sky Marathon stattfindet, entstand die Idee, gleich drei langjährige Träume zu verbinden: ein erneuter Besuch Alagnas, die Teilnahme an einem hochalpinen Skyrennen und die Besteigung eines 4000ers.

Die Herausforderung schien zunächst sehr groß. Für die Anmeldung mussten wir unsere Berg- und Lauferfahrung nachweisen. Unsere bisherigen höchsten Gipfel – Großglockner und Wildspitze – sowie das Hochkönigman Skyrace reichten überraschenderweise dafür aus. Unser Ziel war dabei das Erreichen der Signalkuppe (4554 m) und das erfolgreiche Absolvieren der Strecke innerhalb der Zeitlimits, darüber hinaus aber keine Wettkampfambitionen.

Die Vorbereitung für das bevorstehenden Rennen mit 35 km Länge und 3500 positiven Höhenmetern unterschied sich grundsätzlich nicht von dem anderer Bergultras. Wichtig waren regelmäßige Einheiten mit vielen Höhenmetern, auch im Winter und auf Schnee. Der Pitz Alpine Snow Trail im März 2026 erwies sich dabei als wertvolle Vorbereitung. Die größte Herausforderung war jedoch die Höhenakklimatisation. Da ein Höhenzelt oder Labormethoden für uns nicht in Frage kamen, suchten wir praktische Alternativen in den Bergen. Drei Wochen vor dem Rennen verbrachten wir eine Nacht auf der Kürsinger Hütte (2558 m) und bestiegen anschließend mit Schneeschuhen den Großvenediger (3657 m). In der Rennwoche unternahmen wir zusätzlich eine Akklimatisationstour zur Mantova-Hütte (3498 m) und stiegen noch weiter bis auf 4000 m Höhe auf, um die Bedingungen am Gletscher kennenzulernen.

Am Vorabend des Rennens wurde uns beim Briefing erstmals bewusst, welch renommiertes Event der Monte Rosa Sky Marathon ist. Zahlreiche internationale Skyrunning- und SkiMo-Athleten waren am Start. Wegen starker Winde in den Hochlagen wurde bereits eine mögliche Streckenänderung angekündigt.

Am Renntag starteten wir um 5:30 Uhr in Alagna. Die ersten 2000 Höhenmeter bis zur Indren-Bergstation waren geprägt von langen Läuferschlangen, hohem Tempo und dem drohenden ersten Cut-Off. Dieses Zeitlimit erreichten wir mit ausreichend Reserve, was für große Erleichterung sorgte. Dort erfuhren wir auch, dass die Strecke aufgrund von starken Wind oben am Gletscher verkürzt worden war: Statt der Signalkuppe würde der höchste Punkt am Colle del Lys auf 4246 m liegen.

Nach dem Anseilen und Anlegen der Grödel führte die Strecke über einen versicherten Felsabschnitt auf den Gletscher. Trotz Wind, Kälte und zunehmendem Sauerstoffmangel herrschte eine beeindruckende Atmosphäre. Die Strecke war hervorragend gesichert und markiert. Ab etwa 3650 m machte sich die Höhe bemerkbar, doch wir kamen gut voran. Der Aufstieg durch die hochalpine Gletscherlandschaft, umgeben von zahlreichen 4000ern, war für mich einer der emotionalen Höhepunkte des Tages.

Am Colle del Lys endete der Aufstieg. Zwar blieb die Enttäuschung über die nicht erreichbare Signalkuppe, doch die Sicherheit ging selbstverständlich vor. Nach einer kurzen Pause begann der spektakuläre Abstieg mit rund 3200 negativen Höhenmetern. Besonders der Gletscherdownhill war ein einmaliges Erlebnis: schneller Firn, traumhafte Kulisse und perfekter Grip. Danach folgte ein technisch anspruchsvoller Abstieg über Schnee-, Geröll- und Bergwege bis zurück ins Tal.

Im Ziel genossen wir die besondere Atmosphäre und waren überrascht, trotz fehlender Wettkampfambitionen und ausgedehnter Pausen im Rennen nicht schlecht abgeschnitten zu haben.

Unser Fazit fällt durchweg positiv aus: Der Monte Rosa Sky Marathon war eines der außergewöhnlichsten und schönsten Rennen, die wir bisher erlebt haben. Die Kombination aus Laufen, Alpinismus, Gletscherwelt und großartiger Organisation machte dieses Abenteuer unvergesslich. Auch wenn die Signalkuppe wetterbedingt unerreicht blieb, wurden wir für unseren „Grenzgang“ reich belohnt. Rückblickend war die Vorbereitung insgesamt gelungen, wenngleich wir in der Rennwoche möglicherweise etwas zu viele zusätzliche Höhenmeter gesammelt haben. Für eine mögliche Rückkehr wären wir jedenfalls um viele wertvolle Erfahrungen reicher.

Anmerkung:

Tatiana und Gabor beendeten das Rennen, welches in 2er Seilschaften erfolgt, in knapp unter 7 Stunden und erreichten damit Platz 57 in der Gesamtwertung von insg. 148 finishenden Teams bei einem sehr gut und sehr international besetztem Wettbewerb. 

Dabei waren sie die 3.- und 4.- platzierten deutschen Teilnehmer und erreichten einen hervorragenden 4. Platz der Mixed-Teams hinter einem rein polnischen, einem südafrikanisch/US-amerikanischen und einem dänischen Mixed-Team.

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